Tä­tig­keits­be­rich­te Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on und Post 2014/2015

Homann: "Die Inanspruchnahme der sehr schnellen Anschlüsse liegt immer noch deutlich hinter deren Verfügbarkeit zurück"

Ausgabejahr 2015
Erscheinungsdatum 07.12.2015

Heute stellt die Bundesnetzagentur bereits zum neunten Mal ihre Tätigkeitsberichte aus den Bereichen Telekommunikation und Post vor.

Bis zur Jahreshälfte 2015 standen mehr als zwei Millionen Haushalten Anschlüsse in Form der übertragungsstarken Glasfaseranbindungen Fibre To The Building (FTTB) / Fibre To The Home (FTTH) zur Verfügung. Tatsächlich genutzt haben diese aber nur knapp 20 Prozent.

Das künftige Verhältnis der tatsächlich angeschlossenen zu den anschlussfähigen Haushalten (Take-up) wird ganz wesentlich vom Aufkommen attraktiver Dienste abhängen, die entsprechende Bandbreiten benötigen. "Erst wenn attraktive Dienste höhere Bandbreiten erfordern, wird die Zahlungsbereitschaft für sehr schnelle Anschlüsse ansteigen und entsprechende Investitionen rentabler machen", betont Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. "Angesichts der großen Bedeutung eines schnellen Internets für die digitale Zukunft reicht allerdings allein das Warten auf Kunden nicht aus. Deshalb müssen auch jetzt schon alle Anstrengungen unternommen werden, um die Infrastrukturen zukunftstauglich zu machen", so Homann weiter.

Schnelleres Breitband nachgefragt

Der Abstand zwischen Versorgung und Nachfrage geht aber kontinuierlich zurück. Die Nachfrage nach schnelleren Internetverbindungen nimmt dabei immer mehr zu. Etwa 60 Prozent der Breitbandkunden verlangen mittlerweile eine Anschlusskapazität von 10 Mbit/s und mehr.

Auch im Mobilfunk investieren die Netzbetreiber in die Aufrüstung der Basisstationen und schaffen so die Voraussetzungen für die breitbandige Nutzung. Zwischen den Jahren 2013 und 2014 kamen knapp 10.000 LTE-fähige Basisstationen hinzu.

Instant Messaging-Dienste verdrängen klassische Modelle

Im Bereich Mobilfunk verlieren einige Dienste ihre Marktstellung und werden durch neue, innovative Anwendungen ersetzt. Lieferte das ehemalige Erfolgsmodell SMS im Jahr 2012 noch über einen Spitzenwert von 60 Milliarden SMS fiel der Wert im Jahr 2014 auf etwa ein Drittel. Immer wichtiger werden dabei Instant Messaging-Dienste, wie zum Beispiel WhatsApp. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob un din welcher Form sogenannte Over-the-top-Dienste nicht auch bestimmten Regeln des Telekommunikationsgesetzes unterwerfen werden sollen. "Aus Sicht der Bundesnetzagentur war diese Frage im Fall von Googles Emaildienst ‘Gmail‘ zu bejahen," so Homann.

Zusätzlich nehmen die insgesamt geführten Gesprächsminuten in den letzten Jahren ab. Zwar steigt im Mobilfunk das Gesprächsvolumen leicht an, aber die Festnetzgespräche gehen mit 5 bis 8 Prozent pro Jahr deutlich zurück. Auch hier sind alternative Voice-over-IP (VoIP)-Anwendungen, wie Skype, die Ursache.
"Das Kommunikationsverhalten der Menschen verändert sich und findet immer stärker internet- und somit datenbasiert statt. Im Mobilfunk wird das Datenvolumen und im Festnetz die Übertragungsgeschwindigkeit immer ausschlaggebender", erläutert Homann in diesem Zusammenhang.

Onlinehandel sorgt für Wachstum im Paketmarkt; Briefmarkt stagniert

Die Postmärkte haben sich in den vergangenen beiden Jahren positiv entwickelt. Über alle Bereiche (Brief, Kurier, Express, Paket) hinweg wurden im Jahr 2014 rund 28,8 Mrd. Euro umgesetzt. Das sind 2,5 Prozent mehr als im Jahr 2013 (28,1 Mrd. Euro).

Der Onlinehandel (E-Commerce) sorgt wie auch schon in den Vorjahren für überdurchschnittliche Wachstumsraten im Kurier-, Express-, und Paketmarkt. Allerdings stagniert der Briefmarkt aufgrund der zunehmenden Kommunikation in Form elektronischer Medien. Im europäischen Vergleich steht Deutschland aber immer noch gut dar. 

Deutsche Post weiterhin marktbeherrschend mit 88 Prozent

Im Jahr 2014 wurden mit 15,9 Mrd. Stück rund 1,4 Prozent Briefsendungen weniger befördert als im Vorjahr. Die Umsätze blieben stabil und lagen im Jahr 2014 bei 8,6 Mrd. Euro. Das ist ein leichtes Plus von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Deutsche Post AG ist und bleibt bei den Briefen weiterhin eindeutig marktbeherrschend. Im Jahr 2014 betrug ihr Marktanteil 88 Prozent. Ihre Wettbewerber haben ihren Marktanteil bei niedrigen 12 Prozent stabilisiert.

Lebhafter Wettbewerb im Kurier-Express-Paketdienst

Die Kurier-, Express- und Paketdienste beförderten 2,7 Mrd. Sendungen im Jahr 2014, das sind 4,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 4,0 Prozent auf 19,3 Mrd. Euro.

"Wir rechnen auch für das Jahr 2015 weiter mit einer sehr positiven Entwicklung. Das ist auch auf den deutlichen Wettbewerb in diesem Bereich zurückzuführen, so sind mehrere Anbieter mit eigenen Zustellnetzen bundesweit aktiv", erklärt der Präsident der Bundesnetzagentur. "Da ist sehr viel in Bewegung und die Anbieter entwickeln laufend neue Geschäftsmodelle. Das ist gut für uns Kunden, erhöht es doch die Angebotsvielfalt und sorgt für eine hohe Qualität im Paketmarkt für die Verbraucher", so Homann.

Die Tätigkeitsberichte sind auf den Internetseiten der Bundesnetzagentur unter www.bundesnetzagentur.de/berichte veröffentlicht.

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